Am 23. April, dem internationalen Welttag des Buches, verwandelte sich die Denkmanufaktur des MGH in einen lebendigen Literaturraum: Die Autorin Jenny Heimann war zu Gast und stellte ihren Roman „Mi Corazon – Mein liebe Luise“ vor. Organisiert wurde die Veranstaltung vom Bücherei-Projektkurs unter der Leitung von Lehrerin Dörte Reinecke und die komplette Jahrgangsstufe 10 war vom Projektkurs zu dieser besonderen Lesung eingeladen worden.
Die Lesung folgte einem abwechslungsreichen Konzept: Auszüge aus dem Roman wechselten sich mit Interview-Blöcken ab, in denen die Autorin offen über ihre Arbeit, ihre familiären Wurzeln und die Entstehungsgeschichte des Buches sprach. In den Gesprächsrunden erzählte Heimann eindrucksvoll von ihren Großeltern, deren Lebenswege sie zu diesem Roman inspirierten. Besonders bewegend war der Moment, als sie Bilder ihrer Familie zeigte und Originalbriefe vorlas, die sich ihre Großeltern während des Zweiten Weltkriegs geschrieben hatten. Die sehr persönlichen Einblicke berührten die Zuhörenden spürbar und machten deutlich, wie eng historische Ereignisse und individuelle Schicksale miteinander verwoben sind. Heimann betonte zudem ihre Motivation für das Schreiben: Rechte Kräfte dürften keine Macht erlangen! Literatur könne – und müsse – dazu beitragen, Zivilcourage zu stärken und gesellschaftliche Verantwortung bewusst zu machen. Die Schülerinnen und Schüler der 10. Klassen folgten aufmerksam den Lesepassagen, die einen Einblick in die bewegende Liebesbeziehung zwischen den Figuren und die politischen Spannungen ihrer Zeit gaben. Die Interviewfragen des Projektkurses waren präzise vorbereitet und führten zu lebendigen, teils sehr persönlichen Antworten der Autorin. Die Mitglieder stellten auch Fragen zur Recherchearbeit, zu Schreibprozessen oder zu den Parallelen zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Die Offenheit der Autorin und ihr engagiertes Plädoyer für demokratische Werte hinterließen einen bleibenden Eindruck.
Die Veranstaltung zeigte eindrucksvoll, wie Literatur junge Menschen erreichen und zum Nachdenken anregen kann. Der Bücherei-Projektkurs setzte mit dieser Lesung ein klares Zeichen für demokratische Werte und gegen Gleichgültigkeit. Für viele der Anwesenden war es nicht nur eine Begegnung mit einer Autorin, sondern auch ein Anstoß, sich selbst mit gesellschaftlichen Fragen auseinanderzusetzen – ganz im Sinne des Welttags des Buches, der die Kraft des Lesens und der Geschichten feiert.
