Hamm – Es ist wieder so weit: In der Zeit um Ostern herum feiern alle Abi-Jahrgänge ihre Mottowoche und damit ihre letzte Schulwoche. Eigentlich. Denn dieses Jahr gibt es eine Besonderheit. Aufgrund der Rückkehr von G9, also das Abi-Ablegen nach neun statt acht Jahren, fällt dieses Jahr das Abitur an Gymnasien weitgehend aus – außer an einer Schule.

Am Märkischen Gymnasium (MGH) wird es dieses Jahr einen Abiturjahrgang geben. Der sogenannte „Bündelungsjahrgang“ ermöglicht nicht nur MGH-Schülern das Abitur anzustreben, auch wenn sie im „Zwischenjahr“ gelandet waren.

Weitere Ausnahmen: Auch an Gesamtschulen und Berufskollegs machen Schüler in 2026 das Abitur.

Abi 2026 fällt an den allermeisten Gymnasien wegen G9-Rückkehr aus

Ob man mit einem Q-Vermerk die Realschule beendet hatte oder eine Klasse wiederholen musste: Alle wurden an dem Märkischen Gymnasium gebündelt – von allen Schulen der Stadt Hamm. „Wir haben uns aktiv dafür beworben“, sagt der Oberstufenkoordinator Jens Hieronymus.

Insgesamt hat das Märkische Gymnasium ohnehin jedes Jahr 40 bis 60 Quereinsteiger, die sich dort für das Abitur anmelden, dementsprechend bietet es sich an, alle weiteren 50 auch dorthin zu schicken. Der Abiturjahrgang 2026 besteht aus 99 Leuten, die zu den Abiturprüfungen zugelassen worden sind. „Sie haben Top-Noten, es gibt keinen großen Unterschied zu anderen Jahrgängen“, sagt der Lehrer Cristian Nyisztor.

Abi am MGH: Schüler von anderen Schulformen oft mit mehr Motivation

Jens Hieronymus habe sogar die Erfahrung gemacht, dass Schüler, die vorher auf einer anderen Schule oder Schulform waren, mehr Motivation mitbringen. „Sie haben sich bereits Gedanken darüber gemacht, was sie machen wollen“, sagt der Oberstufenkoordinator.

Die Stufe ist ein sehr zusammengewürfelter Haufen, weswegen zu Beginn der Oberstufenzeit eine interkulturelle Einführungswoche stattfand. Diese dient dazu, sich untereinander kennenzulernen, und ist gerade bei solch einer extremen Bündelung sehr hilfreich. An einem Tag der Woche ist die gesamte Stufe gemeinsam in den Maxipark gegangen, wo unter anderem Sozialtraining und Vertrauensspiele veranstaltet wurden.

Märkisches Gymnasiums veranstaltet Summer Camp für Mathe, Deutsch und Englisch

Aber nicht nur das wird von dem Märkischen Gymnasium veranstaltet, damit sich Quereinsteiger schneller zurechtfinden. In den letzten zwei Wochen der Sommerferien findet das sogenannte Summer Camp statt. Dort wird in den Fächern Mathe, Deutsch und Englisch Stoff von vergangenen Jahren wiederholt. Geleitet wird das Ganze von Schülern aus höheren Jahrgangsstufen.

Neben dem Effekt des Lernens hat es den Vorteil, dass die Schüler dort schon einmal die Möglichkeit auf erste Kontakte haben – sowohl untereinander als auch mit älteren Schülern.

Hilfe bis zum Abitur von älteren Schülern

„Am Anfang war alles neu, neue Leute und neue Lehrer“, sagt die 18-jährige Lara-Fiona Friedrich über den Anfang ihrer Oberstufenzeit. Sie berichtet, dass es hilfreich gewesen sei, mit den älteren Schülern über mögliche Leistungskursfächer zu reden, um besser einschätzen zu können, was auf einen zukommt. Ebenso habe man mit Leuten aus höheren Jahrgangsstufen Kontakte geknüpft, die bis zum Abitur geholfen haben.

Vorher bereits auf dem Märkischen waren nur ganz wenige aus der Stufe. Die Organisation rund um das Abitur wird hauptsächlich von den Quereinsteigern übernommen, die sich alle hervorragend eingelebt haben. Der 19-jährige Louis Paßmann ist zur Oberstufenzeit an das Märkische Gymnasium gewechselt und ist nun einer der Hauptorganisatoren, was das Drumherum anbelangt.

„Aus organisatorischer Sicht war es cool, der einzige Abiturjahrgang zu sein“, erzählt er. Bei der Hallenmietung für die Vorfinanzierungsfeier habe man keine Probleme gehabt, genauso wie bei der Hallenmietung für den bevorstehenden Abiball, erklärt der 19-Jährige.

Mottowoche schweißt Schüler des Abiturjahrgangs zusammen

Die Schüler finden es nicht schlimm, der einzige Abiturjahrgang an Gymnasien in diesem Jahr zu sein – ganz im Gegenteil. „Alle wussten irgendwie von uns“, erzählt Lara-Fiona Friedrich. Die Mottowoche habe die Stufe noch einmal deutlich zusammengeschweißt. Nach der Intensivwoche heißt es nun, wie für alle anderen Vorgänger auch: Lernen für das Abitur.

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